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Endliche Welt – Trends

Energie für die Welt von morgen

 Zeitschriften        Pictures of the Future Frühjahr 2004       

Mit der Weltbevölkerung wächst auch der Bedarf an Energie, die heute überwiegend aus Kohle, Öl oder Gas gewonnen wird. Aber die Vorräte an fossilen Brennstoffen sind endlich, und Treibhausgase wie Kohlendioxid bedrohen das Klima. Wie lassen sich nicht nur der Energiehunger stillen, sondern zugleich auch Rohstoffe sparen und die Emissionen senken?

GuD-Kraftwerk / Gasturbine

Beste Energie-Effizienz: Moderne GuD-Kraftwerke schaffen elektrische Wirkungsgrade von knapp 60 %, mit Kraft-Wärme-Kopplung wird der Brennstoff sogar bis zu 85 % ausgenutzt – ein Vielfaches der Effizienz, die ältere Kraftwerke erreichen. Rechts die Überprüfung einer Gasturbine im GuD-Kraftwerk Paka in Malaysia, das Siemens 1994 schlüsselfertig errichtete. Seitdem ist es fast ununterbrochen am Netz

Wohl kaum ein Thema ist derzeit so umstritten wie die Frage, wie wir den weltweit wachsenden Energiebedarf in den kommenden Jahrzehnten decken sollen. Als sicher gilt, dass die Erdbevölkerung bis zum Jahr 2030 auf rund acht Milliarden Menschen anwachsen wird. Auch aufgrund des starken Wirtschaftswachstums in Asien und in den Schwellenländern wird der Energieverbrauch, insbesondere der Stromverbrauch, deutlich zunehmen. Neue Rohstoffquellen und -regionen müssen erschlossen werden. Die Versorgung der Welt mit Strom, Wärme oder Kälte ist eine gigantische Herausforderung – insbesondere wenn sie zugleich ökonomisch, ökologisch und sozial verträglich sein soll.

 

Die EU-Kommission schreibt in ihrem "World Energy, Technology and ClimatePolicy Outlook" (WETO) vom Mai 2003, dass der Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 um etwa 70 % steigen wird. Laut "World Energy Outlook 2002" der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris wird vor allem die Stromproduktion mit jährlich 2,4 % deutlich schneller wachsen als die Weltbevölkerung mit etwa 1 %. Das World Energy Council in London und die IEA gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) weltweit um knapp 50 % steigen wird, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Andere Gutachten legen unterschiedliche Voraussetzungen zugrunde und berücksichtigen etwa effizientere Kraftwerkstechnologien oder den verstärkten Einsatzregenerativer Energien, kommen aber zu ähnlichen Schlüssen. Einig sind sich alle darin, dass der Energieverbrauch und die CO2-Emissionen deutlich zunehmen werden, wenn sich Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum nicht weltweit vom Energieverbrauch abkoppeln lassen.

Fossile Energien weiterhin dominant. Noch decken laut einer Energiestudie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover nicht-erneuerbare Energieträger etwa 90 % des Welt-Primärenergiebedarfs. "Trotz enormer Steigerungsraten bei erneuerbaren Energien werden in den kommenden Jahrzehnten die Nicht-Erneuerbaren dominieren", sagt Thomas Thielemann, Wissenschaftler im BGR-Referat Energierohstoffe. "Einfach deshalb, weil regenerative Energien nach wie vor zu teuer sind und in den kommenden Jahren nicht die nötige Menge an Strom liefern können."

So setzt unter anderem auch China mit seinem atemberaubenden Wachstum des Bruttoinlandsprodukts, das seit Jahren zwischen sieben und 9 % liegt, vielfach auf Strom aus billiger Steinkohle. Das Land ist, gefolgt von den USA, der weltgrößte Steinkohleproduzent. Eine Milliarde von weltweit 3,5 Mrd t Steinkohle bauen die Chinesen jährlich ab. Trotz des hohen Verbrauchs rechnet die BGR damit, dass Steinkohle gemessen am heutigen Bedarf noch gut 200 Jahre in ausreichendem Maße zur Verfügung steht. "Im langjährigen Mittel wird der Steinkohlehandel kontinuierlich um ein bis 2 % steigen", sagt Thielemann.

Für effizientere Kraftwerke und verstärktes Energiesparen spricht sich der Direktor des Berliner Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), Prof. Dr. Rolf Kreibich, aus: "Der Kraftwerks-Standard in Osteuropa, China oder Indien ist mit einem Wirkungsgrad von etwa 25 % immer noch katastrophal." Moderne Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerke (GuD) brächten es auf knapp 60 %. Kombiniert man sie mit Kraft-Wärme-Kopplung, also einem Fernwärmenetz, seien sogar bis zu 85 % erreichbar. "Wenn die genannten Nationen bei den alten Wirkungsgraden stehen bleiben, wird das derzeitige Wirtschaftswachstum nicht zu halten sein", prophezeit Kreibich. Gerade jene Länder mit hohen Wachstumsraten müssten schnell ihre Produktionsanlagen, die Kraftwerke und die Beheizung der Gebäude effizienter gestalten. "Andernfalls ist der hohe Energieeinsatz wirtschaftlich nicht zu verkraften, da er zu schlimmen Umweltschäden führt und die Menschen durch verpestete Luft, verseuchtes Wasser sowie belastete Böden und Nahrungsmittel gesundheitlich extrem beeinträchtigt."

Auch der Westen kann sparen. Ein großes Thema für Kreibich ist aber auch die Energieeffizienz in westlichen Industrienationen (siehe Die Energiespar-Detektive). "Wir haben ermittelt, dass sich allein durch rationellere Verwendung von fossilen Energieträgern der Energieverbrauch in Deutschland drastisch reduzieren lässt", sagt der studierte Soziologe und Physiker und verweist auf Altbausanierungen oder den Umstieg auf energiesparende Niedrigenergie- und Passivhäuser mit regelbarem Wohnklima. "Derzeit werden in Deutschland jährlich durchschnittlich 240 thermische Kilowattstunden pro Quadratmeter verbraucht. Durch gezielte Maßnahmen lässt sich das in den kommenden Jahrzehnten auf 50 bis 60 kWh/m² reduzieren." Der deutsche Primärenergiebedarf würde so um 12 bis 15 % sinken.

 
 
 
 
 
 
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