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Das mitdenkende Auto – Wunderkeil

Der Wunderkeil

 Zeitschriften        Pictures of the Future Herbst 2005      

In der Bremsentechnik bahnt sich eine Revolution an. Siemens entwickelt die elektronisch geregelte Keilbremse zur Serienreife, mit der Fahrzeuge aller Art schneller, sicherer und kostengünstiger gebremst werden können – mit deutlich weniger Energie als bisher und ohne jede Hydraulik.

Keilbremse

Glühende Scheibe: Die elektronische Keilbremse im Labor. Hier wird eine dreimalige Vollbremsung aus 210 km/h ausprobiert. Das System meistert die Aufgabe spielend

Bernd Gombert dreht an der Kurbel und versetzt eine Metallscheibe in Drehung. "So, jetzt drücken Sie mal hier drauf und bremsen", sagt er. Ein starker Druck der Handfläche auf einen Bremsklotz aus Kunststoff bringt die Scheibe langsam zum Stillstand. "Reibung", konstatiert der Maschinenbauingenieur trocken. "So bremsen Autos heute. Und nun probieren Sie mal den Keil aus", fährt er fort und dreht wieder an der Kurbel, diesmal stärker. Der kleine Keil sitzt seitlich, zwischen einem parallel zur Scheibe angebrachten Metallstift und einer Führung. Jetzt rotiert die Metallscheibe kräftig. Ein Stups mit dem Zeigefinger reicht aus, und der Keil wird förmlich an das Rad herangerissen. Es steht sofort. "So haben früher Pferdekutschen gebremst." In Gomberts Augen blitzt es auf: "Vom Prinzip her funktioniert so auch die Bremse der Zukunft! Mit wenig Energieaufwand, einfacher mechanischer Konstruktion und geringen Kosten." Freilich propagiert der Entwicklungsleiter der elektronischen Keilbremse (EWB – Electronic Wedge Brake) von Siemens VDO Automotive (SV) nicht die Rückkehr zu antiker Bremstechnik, wo einst ein Keil die Räder effektiv, aber unkontrollierbar blockierte – eine unbehagliche Vorstellung für heutige High-tech-Autos. "Der Unterschied ist, dass bei uns der Keil nicht blockiert, weil wir verhindern, dass er überhaupt zwischen Befestigung und Bremsscheibe hineingezogen wird", erklärt Gombert. Der Trick ist, den Keil beim Abbremsen gerade so stark hineinziehen zu lassen, bis sich das gewünschte Bremsmoment eingestellt hat, was eine ausgeklügelte Sensorik und exakt steuerbare Elektromotoren ermöglichen (siehe Kasten).

 
 
 
 
 
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