Siemens verfolgt eine Strategie der Nachhaltigkeit – in Entwicklungs- und Schwellenländern wie in den Industriestaaten. Diese Strategie ist geprägt von der Überzeugung, dass nicht nur Regierungen und internationale Organisationen, sondern auch Wirtschaftsunternehmen mit ihrer Innovations- und Investitionskraft eine besondere Verantwortung für eine zukunftsfähige globale Entwicklung tragen.
Für eine langfristig tragfähige Entwicklung ist ein ganzheitliches Konzept wichtig – ein Konzept, wie es die United Nations (UN) unter dem ehemaligen Generalsekretär Kofi Annan entwickelt haben. Die UN verabschiedeten im Jahr 2000 acht Millenniumsziele (Millennium Development Goals), die bis zum Jahr 2015 spürbare Verbesserungen für die Menschen – vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern – bringen sollen. Sie basieren auf der Vision einer nachhaltigen und gerechteren Weltwirtschaft. Siemens ist Mitglied der UN-Initiative Global Compact, eines freiwilligen Zusammenschlusses von Unternehmen der Weltwirtschaft, die sich neben der Verwirklichung ethischer Ziele auch zur aktiven Unterstützung der Millenniumsziele durch konkrete Maßnahmen und gemeinsames Handeln verpflichtet haben.
Seit seinem Bestehen ist Siemens in vielen Ländern der Welt präsent. Seine globale Aufstellung und seine hohe Wertschöpfung auch in den Entwicklungs- und Schwellenländern hat eine mehr als 160-jährige Tradition. Viele Siemens-Standorte sind mit der Geschichte der jeweiligen Region verwoben. Vor allem aber überzeugt Siemens mit seiner Kompetenz für öffentliche Infrastruktur, wie in der Wasser- und Energiewirtschaft sowie im Transport- und Gesundheitswesen. Sie sind für das Erreichen wichtiger Millenniumsziele von entscheidender Bedeutung. Denn eine funktionierende Infrastruktur ist die wichtigste Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung – und für das Erreichen des vorrangigen UN-Ziels: der Bekämpfung von Armut und Hunger.
Siemens unterstützt die UNICEF-Aktion „Schulen für Afrika“.
Bildung ist eine große Chance für viele Menschen, der Armut zu entkommen. Allein in den Ländern südlich der Sahara gehen rund 45 Millionen Kinder nicht zur Schule. Das bedeutet, dass fast jedes zweite Kind hinter einer Mauer von Unwissenheit, Armut und Diskriminierung aufwächst. Deswegen unterstützen wir im Rahmen unseres Siemens Caring-Hands-Programms die UNICEF-Aktion „Schulen für Afrika“. Siemens ermöglicht dadurch zahlreichen Kindern in Afrika den Zugang zu besserer Bildung. Bisher wurden über 600.000 Euro von Mitarbeitern und Unternehmen für das Projekt gespendet; 1.800 Siemens-Mitarbeiter sind Projektpaten und spenden somit regelmäßig für den Bau von Schulen, für Schulmaterial und für die Ausbildung der Kinder.
Gebieten mit schwach entwickelter Infrastruktur soll der Zugang zu Information und Kommunikation ermöglicht werden – als Basis für eine weiterführende soziale und wirtschaftliche Entwicklung. Auf diese spezielle Herausforderung zugeschnitten ist die Village-Connection-Lösung, mit der Nokia Siemens Networks seinen Internet Kiosk ergänzt. Auf diese Weise erhalten die Bewohner in entlegenen ländlichen Gebieten, die bisher weder Internetzugang noch Zugriff auf mobile Kommunikation hatten, Sprach-, SMS- und Internetdienste.
Aufgrund der Nutzung der IP-Backhaul-Verbindung ist der „Computer im Dorf“ („Village Connection“) eine kostengünstige und leicht zu handhabende Kommunikationszentrale, die zudem mit einem Geschäftsmodell für lokale Verwaltungsdienstleister gekoppelt ist, das Kleinunternehmern vor Ort die Chance bietet, sich ökonomisch auf eigene Füße zu stellen. Village Connection wurde bereits erfolgreich in Indien und Tansania getestet. Der Internet Kiosk steht in einer weit zurückreichenden Traditionslinie: Schon 1847 legte Werner von Siemens mit der Erfindung des Zeigertelegrafen den Grundstein für die Anfänge der Telekommunikation, beispielsweise die 11.000 Kilometer lange indo-europäische Telegrafenlinie von London nach Kalkutta oder das transatlantische Seekabel: Gestern wie heute verbindet Siemens Menschen und Wirtschaftsräume auf verschiedenen Kontinenten miteinander.
Teile Eritreas erhalten erstmals eine Stromversorgung.
In Eritrea, dem kleinen afrikanischen Staat am Roten Meer, wurde 2008 die Elektrifizierung zweier ländlicher Gebiete westlich und südlich der Hauptstadt Asmara erfolgreich abgeschlossen. Auf den Hauptverkehrsstrecken von Keren nach Barentu und von Dekemhare nach Adi Keih installierte Siemens auf über 1.000 Kilometern Freileitungen mit mehr als 150 Verteilungstransformatoren. Es wurden 60.000 neue Verbraucher angeschlossen. Dadurch werden nach Abschluss des Projekts mehr als 40 Prozent des Landes elektrifiziert sein – im Vergleich zu den bisherigen zehn Prozent).
Die ausreichende Versorgung mit Energie ist das Kernstück jeder florierenden Wirtschaft und steht ebenfalls auf der Prioritätenliste der UN für die Entwicklungs- und Schwellenländer. Ein Großteil der Energie wird zur Stromerzeugung genutzt. Es ist schwer vorstellbar, dass 150 Jahre, nachdem Werner von Siemens mit der Erfindung des Elektrodynamos die Ära einer rasanten Elektrifizierung von Berlin bis Petersburg einleitete, noch immer etwa ein Viertel der weltweit 6,4 Milliarden Menschen ohne Strom leben. Siemens ist führend auf dem Gebiet der Energieerzeugung und -verteilung und unterstützt schnell wachsende Wirtschaftsräume wie Indien dabei, ihren sprunghaft steigenden Energiebedarf kostengünstig zu decken. Beispiel ist ein neues Werk in der Nähe von Mumbai, in dem dreiphasige Spar-Transformatoren für die wirtschaftliche Stromübertragung in Hochspannungsnetzen hergestellt werden. Weil diese Transformatoren ein gemeinsames Wicklungsteil für die Ober- und Unterspannungswicklung nutzen, werden Materialkosten eingespart.
SkyHydrant-Systeme sind auch für arme Kommunen erschwinglich.
Darüber hinaus arbeiten wir an einem verbesserten Zugang größerer Bevölkerungsanteile zu sauberem Trinkwasser.
Zusätzlich zu unseren industriellen Lösungen zur Wasseraufbereitung und Abwasserreinigung sind es gelegentlich auch die kleinen Projekte, die eine große Wirkung entfalten. So kann mithilfe des SkyHydranten, eines mobilen Wasseraufbereitungssystems, das ohne elektrischen Strom oder Aufbereitungschemikalien auskommt, auch in den entlegensten Gebieten sauberes Trinkwasser gewonnen werden. Mit jährlichen Kosten von unter 20 Euro-Cent pro Person ist es somit auch für die ärmsten Kommunen in Entwicklungsländern erschwinglich. Zudem können auf diese Weise weit verbreitete Krankheiten wie Durchfall, Cholera und Typhus entscheidend eingedämmt werden. Der SkyHydrant wird auch nach schweren Naturkatastrophen zur ersten Wasserversorgung eingesetzt.
Der SkyHydrant – sauberes Wasser auch in entlegenen Regionen.
In den Entwicklungsländern mangelt es nicht nur an ausreichend ausgebildetem Fachpersonal. Meist ist der Weg zum Arzt oder zur Apotheke sehr zeitaufwändig und für die Patienten häufig teurer als die eigentliche Behandlung oder die notwendige Medizin. Auch hier kann Siemens maßgeblich dazu beitragen, ein von den UN formuliertes Entwicklungsziel umzusetzen: die bessere medizinische Versorgung von Menschen in entlegenen Gebieten – zum Beispiel durch mobile Kliniken. 15 dieser „Krankenhäuser im Bus“ sind bereits im indischen Hinterland unterwegs und können 500 Patienten pro Tag – kostenfrei – medizinisch versorgen. An Bord der nach den besonderen Wünschen der Ärzte ausgestatteten Kliniken auf Rädern sind Röntgen- und Ultraschallgeräte, Instrumente für die pathologische Routinediagnostik, für die Mammografie und die EKG-Erstellung. Dank eingebautem Wassertank und Generator sind die voll klimatisierten Krankenhausbusse unabhängig von Strom- oder Wasseranschlüssen überall einsetzbar.
Mit innovativen Angeboten und an die speziellen Bedürfnisse der Wachstumsmärkte angepassten Produkten kann Siemens im besten Sinne des Wortes „gute“ Geschäfte machen und baut diese Strategie konsequent aus. So entwickelten wir für die unzähligen Krankenhäuser in der chinesischen Provinz mit einem 100-köpfigen Ingenieursteam in Shanghai den Computertomografen Spirit. Weil das Gros der Bauteile von lokalen Herstellern bezogen wird, kann das robuste und leicht zu bedienende Gerät zu einem sehr günstigen Preis angeboten werden.
In den Städten und Regionen, wo dringender Nachholbedarf bei der Gesundheitsversorgung besteht, aber kaum Geld für neue medizintechnische Ausstattung vorhanden ist, stellen die Refurbished Systems von Siemens eine günstige Alternative dar. Das sind hochwertige Systeme wie Computertomografen, Ultraschall- oder Röntgengeräte aus zweiter Hand, die in den Siemens-Laboren technisch überholt und, mit einem Gütesiegel versehen, zum Weiterverkauf bereitgestellt werden. Dieses umwelt- und sozialverträgliche Vorgehen ist auch unter wirtschaftlichen Aspekten interessant, weil die günstigen Qualitätsprodukte von Siemens in Ländern wie Venezuela, Indien, Vietnam oder Pakistan auch als Türöffner für das Neugeschäft dienen.
Wir setzen zukünftig verstärkt den Fokus auf Nachhaltigkeit als zunehmend wichtigen Bestandteil verantwortungsvoller Unternehmensführung. Wir nutzen unsere technischen Innovationen, um eine positive und ethisch verträgliche wirtschaftliche Entwicklung in allen Ländern anzustoßen – und damit neue Märkte zu öffnen. Mit dieser Strategie ist Siemens auch langfristig als Wirtschaftsunternehmen erfolgreich. Wir sind überzeugt: Nur wenn wir nachhaltig wirtschaften, können wir als Global Player unserer Verantwortung gegenüber allen Akteuren gerecht werden – gegenüber den Aktionären, der Weltgemeinschaft und den nachfolgenden Generationen.