Siemens Indien unterstützt die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum Indiens mit Kliniken auf Rädern, die trotz knappem Raum alles an Medikamenten, Diagnostikgeräten und Behandlungsräumen bieten, was die Patienten für die Grundversorgung brauchen.
Vor sieben Jahren trat ein Bus, voll ausgestattet mit medizinischer Technik, seine Reise durch entlegene Gebiete Indiens an. Er war der erste von 18 mobilen Kliniken, die Siemens entwickelt hat und die in Indien heute ihren Dienst tun. Sie bringen medizinische Grundversorgung zu Menschen, die dafür sonst viele Kilometer zu Fuß gehen müssten.
Die Umgebung der Kleinstadt Bhimtal, in den Ausläufern des Himalaya im nordindischen Bundesstaat Uttarakhand, ist bei Reisenden und Erholung suchenden Städtern aus Delhi wegen ihrer landschaftlichen Reize sehr beliebt. Viele kleine Orte liegen jedoch abseits der Straßen und Bahnlinien in schwer zugänglichen Tälern, und damit auch abseits von Arztpraxen und Krankenhäusern. Die meisten Menschen, die dort leben, müssen viele Stunden lange Fußmärsche zur nächsten Krankenstation zurücklegen – damit sind vor allem schwerkranke und ältere Patienten, die das nicht schaffen, von der Versorgung praktisch ausgeschlossen.
Aber nicht nur im Bundesstaat Uttarakhand ist die Bevölkerung – und besonders die auf dem Land – medizinisch unterversorgt: Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation kamen in Indien im Jahr 2005 sieben Ärzte auf 10.000 Menschen (im Vergleich dazu waren es im Jahr 2002 in den Ländern der EU durchschnittlich 35). Von 1.000 Kindern sterben 57, bei Müttern sind es 301 von 100.000. Entsprechend mangelhaft ist auch die Behandlung von Krebspatienten und viele Menschen müssen Tausende von Kilometern für eine bezahlbare Behandlung zurücklegen.
Ein Betroffener, dessen Ehefrau an Krebs gestorben war, beschloss, die Situation in Angedenken an seine Frau zu verbessern. Er kontaktierte Siemens in Indien mit der Bitte, eine Lösung zu entwickeln. Siemens griff die Anregung auf und entwickelte 2001 das Design für die erste mobile Klinik für Krebs-Screenings. Das Experiment erwies sich als so erfolgreich, dass zahlreiche Nichtregierungsorganisationen die Idee aufgriffen und weitere Kliniken bestellten. Heute sind 18 Kliniken im ganzen Land unterwegs.
Dieser alte Mann würde es nicht schaffen, zu Fuß in die nächste städtische Klinik zu gehen. Dank der fahrbaren Kliniken kann auch er medizinisch versorgt werden.
Wenn die Menschen nicht zu den Ärzten gehen können, dann müssen die Ärzte zu den Menschen kommen, das war die Idee eines Mitarbeiterteams bei Siemens Indien, das Sanjeevan Mobile Clinic entwarfen - ein passender Produktname, denn Sanjeevan steht im Indischen für eine Behandlung, die zum Patienten kommt, und hat außerdem die Bedeutung "Heilpflanze".
Von außen sieht sie aus wie ein ganz normaler großer Reisebus. Im Inneren findet sich jedoch High-Tech vom Feinsten: eine zweckmäßig ausgestattete Arztpraxis, die über moderne Diagnosemöglichkeiten wie Röntgen, Ultraschall, Mammographie oder Elektrokardiogramm verfügt. Neben einem weiteren Behandlungszimmer gibt es auch eine Dunkelkammer zum Entwickeln der Röntgenaufnahmen, die auch dafür genutzt wird, Filme zur Gesundheitserziehung vorzuführen. Die fahrende Klinik ist sicherheitshalber mit einem Generator ausgestattet, der sie unabhängig vom Stromnetz macht. Die einzelnen Kliniken werden speziell nach den Wünschen der Kunden ausgestattet.
Mit diesen mobilen Praxen sind Teams, bestehend aus medizinischem und technischem Personal, oft tagelang in entlegenen Gebieten unterwegs und bieten den Menschen eine hochwertige medizinische Untersuchung und Behandlung vor Ort an.
Aufklärung: Teammitglieder der Sanjeevan Mobile Clinic unterrichten Frauen und Mädchen in Hygiene und gesunder Ernährung.
Bevor eine mobile Klinik einen Ort anfährt, werden die Bewohner per Megaphon von ihrem Kommen unterrichtet. Es wird ein „Medical Camp“ in Form eines Zeltplatzes aufgeschlagen, um all die Menschen, die untersucht werden wollen, aufzunehmen - darunter auch Frauen und Mädchen, um sie über Hygiene und Nahrungszubereitung zu unterrichten. Denn das Team der mobilen Klinik will auch aufklären, um so durch falsche Ernährung oder fehlende Hygiene entstehende Krankheiten zu verhindern.
Eines von 800 „Medical Camps“, in denen allein mit einer mobilen Klinik in den vergangenen fünf Jahren 60.000 Menschen versorgt wurden.
Eine Frau mit ihren Kindern ist schon lange da, bevor die Sanjeevan Mobile Clinic eintrifft. Sie haben fünf Stunden Fußmarsch hinter sich – reichlich lang, aber immer noch ein „Spaziergang“ im Vergleich zu den 200 Kilometern, die sie zurücklegen müssten, um in die nächste städtische Klinik für eine Röntgen- und Ultraschalluntersuchung zu gelangen. Nachdem ihr Nachbarn in ihrem Dorf von diesen fahrenden Kliniken erzählt haben, hat sie sich auf den Weg gemacht. Wie sie leiden viele Menschen in der Region an Nierensteinen, Magenkrankheiten oder anderen Krankheiten der inneren Organe. Hier können sie nun endlich untersucht und behandelt werden.
Allein die Mobile Clinic, die das Gebiet von Bhimtal in der Provinz Uttarakhand in Nordindien versorgt, konnte in sechs Jahren mehr als 800 „Medical Camps“ aufschlagen und insgesamt 60.000 Patienten versorgen – ohne dass ein Gerät oder das Fahrzeug versagten. In den vergangenen sieben Jahren hat Siemens bereits 18 dieser mobilen Praxen ausgestattet. Vielen Menschen, die bislang noch nie bei einem Arzt waren, konnte damit geholfen werden. Es ist geplant, die Praxen zusätzlich mit Telekommunikations-Vorrichtungen auszustatten, damit von dort aus Daten und Bilder an größere Krankenhäuser weitergeleitet werden können.
Mit diesem Projekt, das einer der drei Finalisten im Mitarbeiterwettbewerb für Coporate Responsibility 2008 war, trägt Siemens zur Erreichung der von den Vereinten Nationen verkündeten Milleniumsziele bei, mit denen die Verhältnisse in Entwicklungsländern verbessert werden sollen: zur Senkung der Kindersterblichkeit, zur Senkung der Sterblichkeit im Kindbett sowie zur Bekämpfung von HIV/AIDS, Malaria und anderen schweren Krankheiten. Siemens selbst profitiert nicht nur geschäftlich von diesem Projekt, das einen Umsatz von insgesamt drei Millionen US-Dollar und eine Gewinnspanne von mehr als fünf Prozent dabei erzielt hat. Das Unternehmen beweist auch einmal mehr seine Kompetenz in der Meidzintechnik, denn die mobilen Kliniken sind mit Siemens-Geräten ausgestattet.
Viele Frauen in Mumbai haben nun erstmals die Gelegenheit, sich ortsnah auf Brustkrebs untersuchen zu lassen. Die mobile Praxis „One Stop Breast Clinic“, die von der NGO "Helping Hand" geführt wird, ist mit Mammographie-Geräten ausgestattet. Sie war bereits sehr erfolgreich darin, bei vielen Frauen das Bewusstsein für die Gefahren von Brustkrebs zu wecken und sie zu ermuting, an Screenings teilzunehmen.
Wie genau jede der von Siemens entworfenen mobilen Kliniken ausgestattet ist, entscheidet der Kunde. Unter ihnen war nun erstmals auch ein staatliches Organ: Die Regierung des indischen Staates Goa hat eine mobile Klinik erstanden und bietet den Menschen vor Ort nun eine medizinische Grundversorgung sowie Diagnosemöglichkeiten wie Ultraschall, Röntgen und histologische Untersuchungen an.
Die mobilen Kliniken wie diese sind nicht nur vielseitig konfigurierbar, sondern auch kostengünstig in Anschaffung und Betrieb. Damit eignet sich die Sanjeevan Mobile Clinic als Modell für strukturell unterversorgte Regionen und Entwicklungsländer in der ganzen Welt.
"Mehr. Wert. Schaffen. - Engagement hat viele Gesichter": Das Taschenbuch aus der Reihe "brand eins Wissen" beleuchtet das gesellschaftliche Engagement von Siemens und stellt die Finalistenprojekte zum Corporate Responsibility Award 2007 vor.