Mit einem Pilotprojekt in Kenia hat OSRAM ein weltweit einzigartiges Programm für eine umweltschonende Lichtversorgung ohne Stromnetze gestartet. An einer eigens dafür gebauten Energiestation können die Anwohner Akkus für energiesparende Lampen und andere Elektrogeräte preisgünstig aufladen. Beim firmeninternen Mitarbeiterwettbewerb für Corporate Responsibility 2008 ging dieses Projekt als Sieger hervor.
Am Viktoriasee versinkt die Sonne malerisch hinter dem Horizont. Doch für den Fischer Aly Bamba, der mit seiner achtköpfigen Familie in Mbita am kenianischen Ufer lebt, ist die Situation alles andere als romantisch. Denn jetzt beginnt seine Arbeit: Wie 150.000 andere Fischer rund um den größter See Afrikas fährt er jeden Abend mit dem Boot hinaus, um den begehrten Nilbarsch zu fangen. Mit einer Kerosinlampe, die er an einer langen Stange über das Wasser hängt, lockt er die Fische in sein Netz. Diese Lampen, die auch seine Hütte notdürftig beleuchten, verpesten die Luft mit dem klimaschädlichen CO2 und sind teuer im Betrieb – Aly Bamba muss mehr als die Hälfte seiner mageren Einnahmen für Kerosin ausgeben. Für die gebeutelten Fischer am Viktoriasee, die unter dem starken Rückgang des Fischbestands leiden, sind das Ausgaben, die sie kaum noch bewältigen können.
Die farbenfroh dekorierten Fischerboote auf dem Viktoriasee sind zwar schön anzusehen, ernähren aber kaum ihre Besitzer.
Wie den Fischern am Viktoriasee geht es leider vielen Menschen in der Welt: 1,6 Milliarden Menschen – das sind ein Viertel der Erdbevölkerung – haben keinen Zugang zum öffentlichen Stromnetz. Besonders in Indien und in Afrika müssen sie sich mit Lampen behelfen, die mit fossilen Brennstoffen, meist Kerosin, betrieben werden. 77 Milliarden Liter Kerosin im Wert von 30 Milliarden Euro werden so jährlich für Beleuchtungszwecke verbrannt und stoßen dabei 190 Millionen Tonnen CO2 aus – mehr als die gesamten CO2-Emissionen Finnlands.
Um diesen Zustand zu verändern, hat ein Mitarbeiterteam von OSRAM, einer 100-prozentigen Siemens-Tochtergesellschaft, eine neue und auf den ersten Blick ungewöhnliche Art der Energieversorgung entwickelt. Sie ist völlig unabhängig von einem Stromnetz und wird daher auch als Off-Grid-Lösung bezeichnet. Ihr Herzstück ist ein sogenannter Energy Hub, eine Energiestation. Darunter hat man sich in diesem Fall ein Gebäude vorzustellen, auf dessen Dach photovoltaische Panele installiert sind. Diese erzeugen die Energie, mit der im Gebäude die Akkus spezieller Lampen aufgeladen werden. Zwar gibt es in Regionen ohne Stromnetze bereits einfache Akkuladestationen, die OSRAM-Lösung hat dank der genutzten Solarenergie jedoch den zusätzlichen Vorteil, CO2-frei Elektrizität zu liefern.
Der erste Energy Hub am Viktoriasee in Mbita ist fertig. Sein Name ist Programm: Umeme Kwa Wote – Energie für alle.
Der erste Energy Hub von OSRAM wurde im April 2008 in Mbita eingeweiht. Er liefert bis zu zehn Kilowatt Strom. Das reicht aus, um täglich die Akkus von rund 400 Lampen aufzuladen. Neben den Lampen können auch Batteriekoffer aufgeladen werden, an die Elektrogeräte, zum Beispiel Radios, angeschlossen werden können. Ist ihre Energie verbraucht, werden Lampen und Koffer am Energy Hub im Pfandsystem gegen aufgeladene Geräte getauscht. So können sie regelmäßig gewartet und Qualitätskontrollen unterzogen werden. Dies stellt einen weiteren Vorteil gegenüber anderen Lösungen dar: Sachgerechte Wartungsarbeiten gewährleisten eine lange Lebensdauer. So schaffen die Energy Hubs auch Arbeitsplätze.
Für einen Fischer wie Aly Bamba bedeutet die Verwendung einer akkubetriebenen Lampe eine Kosteneinsparung von 30 Prozent. Die robuste 7-Watt-Lampe hat bei aufgeladenem Akku eine Beleuchtungsdauer von bis zu acht Stunden. Für die Ausstattung mit Lampen und Batteriekoffer können die Menschen Mikrokredite der kenianischen Nichtregierungsorganisation Osienala erhalten. Zahlreiche weitere Partner unterstützen dieses Projekt tatkräftig, so die internationale Stiftung Global Nature Fund (Deutschland) durch organisatorische Hilfe und die Vermittlung zu Organisationen vor Ort; Nokia (Finnland) durch finanzielle Unterstützung; Thames Lighting (Kenya) sowie Dembe Electrical (Uganda) durch die Durchführung der Pilotphase in Kenya beziehungsweise in Uganda.
Die Neugierde ist groß: Der Projektleiter erklärt den Fischern die Handhabung einer akkubetriebenen Lampe.
Die drei bereits in Kenia und Uganda errichteten Energy Hubs des Pilotprojekts haben einen weiteren großen Vorteil: Sie verfügen über eine Wasseraufbereitungsanlage. Installiert wurden integrierte Geräte, die das Wasser in verschiedenen Schritten filtern. Durch den Einsatz von OSRAM Puritec UVC Lampen werden Bakterien und Viren getötet. So können bis zu 3.000 Liter Wasser täglich als Trinkwasser aufbereitet werden. Das Ziel ist es, im Anschluss an das Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit Siemens Wasseraufbereitungsanlagen zur Verfügung zu stellen.
Im neuen Energy Hub liegen Lampen und Batteriekoffer bereit für ihren Einsatz.
Derzeit bereiten OSRAM-Teams den Bau eines Energy Hubs in Indien vor. Damit wird der Weg für ein Konzept von weltweiter Bedeutung bereitet: Es kann die Lebensbedingungen vieler Menschen verbessern und es schont unser Klima. Somit trägt es dazu bei, zwei der Millenniumsziele der Vereinten Nationen zu erreichen: die Beseitigung extremer Armut und nachhaltigen Schutz der Umwelt – ein wichtiges Kriterium des Mitarbeiterwettbewerbs für Corporate Responsibility 2008 und ein guter Grund, als Sieger ausgewählt zu werden. Dass sich dieses Konzept darüber hinaus für OSRAM und seine Partner als spannendes und profitables Geschäftsfeld erweisen kann, zeigt, dass ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Ziele durchaus miteinander vereinbar sind.
"Mehr. Wert. Schaffen. - Engagement hat viele Gesichter": Das Taschenbuch aus der Reihe "brand eins Wissen" beleuchtet das gesellschaftliche Engagement von Siemens und stellt die Finalistenprojekte zum Corporate Responsibility Award 2007 vor.