Der von BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH) entwickelte Pflanzenölkocher PROTOS soll vor allem Menschen in Entwicklungsländern zugute kommen, die bisher noch mit teuren, gesundheits- und umweltschädlichen Brennstoffen kochen. Denn er ist kostengünstig in der Anschaffung, ökonomisch im Verbrauch und bietet gegenüber den dort üblichen Kochmethoden gesundheitliche Vorteile.
Mit der Entwicklung eines Pflanzenölkochers nimmt sich BSH nicht nur dreier schwerwiegender Probleme von Entwicklungsländern an – der Gesundheitsgefährdung der Menschen durch offenes Feuer, der Abholzung der Wälder und der extremen Armut – sondern erschließt gleichzeitg einen neuen Markt. Denn die PROTOS-Nutzer von heute können durchaus die BSH-Kunden von morgen sein.
Millionen Menschen in den weniger entwickelten Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas kochen ihre Mahlzeiten auf offenem Feuer. Dafür verwenden sie zumeist Holzkohle oder Brennholz sowie Petroleum oder Gas, die in vielen Regionen importiert werden müssen. Diese Rohstoffe sind inzwischen nicht nur sehr teuer, sondern auch nicht unbegrenzt verfügbar. Außerdem ist das Kochen auf offenem Feuer gesundheitsgefährdend: Nach einer Schätzung der Weltgesundheitsorganisation sterben jährlich 1,6 Millionen Menschen an den Folgen der schadstoffbelasteten Rauchs. Zudem erhöht die Abholzung der Wälder die Gefahr von Überflutungen und Schlammlawinen.
Wie hier in Indonesien wurde der Pflanzenölkocher PROTOS bereits in mehreren Ländern erfolgreich eingeführt.
PROTOS ist umweltfreundlich. Der ungewöhnliche Kocher kann mit unraffinierten und raffinierten Pflanzenölen wie Kokosöl, Sonnenblumenöl, Rapsöl, Jatrophaöl, Rizinusöl, Öl aus Baumwollsaat oder Erdnußöl verwendet werden – also mit nachwachsenden Rohstoffen der Regionen, in denen er eingesetzt werden soll. Neben den reinen Pflanzenölen besteht auch die Möglichkeit, gebrauchte Frittieröle und Pflanzenölester (Biodiesel) zu verbrennen. BSH hat es sich zur Regel gemacht, den Kocher nur in Regionen zu verkaufen, in denen die Nutzung von Ölen als Brennstoff keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Ernährung der Menschen hat.
Das Kochen mit Pflanzenöl ist CO2-neutral. Dadurch, dass PROTOS nicht mit fossilen Brennstoffen wie Kerosin und Gas beheizt wird, spart jedes Kochgerät jährlich bis zu einer Tonne CO2 ein. In vielen Ländern stammen Holz und Holzkohle nicht aus einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wälder. Wenn stattdessen Pflanzenöle verwendet werden, kann die Abholzung der Wälder aufgehalten und dadurch sogar insgesamt bis zu sieben Tonnen CO2 pro Kochgerät und Jahr eingespart werden. Immerhin sind jährlich bis zu 700 Kilogramm Brennholz erforderlich, um den Kochbedarf einer Familie zu decken. Dabei achtet BSH in allen Projekten auf die Verwendung nachhaltig erzeugter Pflanzenöle, um Monokulturen oder weitere Umweltschäden gezielt zu vermeiden.
| So funktioniert Protos |
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| Die Funktionsweise des Pflanzenölkochers ist denkbar einfach: Mittels einer Luftpumpe wird in einem mit Öl gefüllten Tank Druck aufgebaut. Das bewirkt, dass das Öl in das Verdampferrohr aus Edelstahl läuft, wo es durch die Wärmezufuhr der Flamme verdampft. Der nun gasförmige Brennstoff tritt aus einer Düse aus, vermischt sich im Brennraum mit Umgebungsluft und verbrennt in einer blauen Flamme. Die Stärke der Flamme kann dabei mit einem Ventil in der Ölleitung geregelt werden. |
Auf den philippinischen Inseln Leyte und Samar wurde der Pflanzenölkocher von Ende 2004 bis April 2006 in 100 Haushalten getestet. Seit Ende der Testreihe wurden bereits 800 Geräte verkauft. Parallel dazu wurden eine Kleinserienfertigung und eine Öl-Produktion durch eine Dorfkooperative aufgebaut. Sie haben die Kapazität, um 1.500 Kocher jährlich auszuliefern. Es entspricht der Strategie von BSH, dass „Protos“ bis auf den Brenner lokal gefertigt wird. Weitere Projekte sind in Indien, Indonesien, Südafrika und Tansania geplant.
Die in Kooperation mit der deutschen Universität Hohenheim durchgeführt Forschungs- und Entwicklungsarbeit wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und Mitgliedern des internationalen Netzwerks Bellagio Forum for Sustainable Development unterstützt. Auf den Philippinen kann BSH auf die Zusammenarbeit mit der Visayas State University, der Deutschen GTZ, der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG sowie der Stiftung Europäisches Naturerbe setzen.