Siemens hat in enger Abstimmung mit dem chinesischen Gesundheitsministerium ein Fünf-Jahres-Projekt mit einer Investitionssumme von zehn Millionen Dollar gestartet, um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu verbessern. Dieses Projekt, das im April 2007 begann, war einer der drei Finalisten im Mitarbeiterwettbewerb für Corporate Responsibility 2008.
Im Alter von zehn Jahren träumen Jungens aus westlichen Ländern vielleicht davon, Astronaut zu werden. Der ernste Junge aber, der in der Gegend von Luochuan im Nordwesten Chinas lebt, will unbedingt Arzt werden. Weil er dann helfen könnte, die Not zu lindern, dort in seiner Heimat, einem Bezirk in der Provinz Shaanxi, in dem mehr als 200.000 Menschen leben: „Ich würde vielen Patienten helfen, dass sie geheilt werden“, sagt Cai. Und in der Entschlossenheit, mit der er das sagt, liegt gar nichts Kindliches. Im Gegenteil - daran wird deutlich, dass ihm der Versorgungsmangel, der in vielen ländlichen Regionen Chinas herrscht, sehr vertraut ist.
Das Luochuan County People's Hospital – Teil des Projekts “Siemens Rural Centers of Medical Excellence”.
Cai, der Vorname des Jungen, bedeutet Reichtum. Doch schaut man sich in seinem Dorf oder in der ganzen Region um, sieht man viel Armut. Die einzige Artpraxis seines Dorfes ist nur mit dem absolut Notwendigsten ausgestattet. Dort blättert schon die Farbe von den Wänden.
In China sind medizinische Einrichtungen auf dem Land oft hoffnungslos veraltet und das medizinische Personal ist schlecht ausgebildet. In den ländlichen Gebieten Chinas ist die Kindersterblichkeit immer noch vergleichsweise sehr hoch, auch wenn die Regierungsverantwortlichen schon viel dagegen unternommen haben. Schwangere werden nicht annähernd so gut versorgt, wie es im Westen Standard ist. Selbst im Bezirkskrankenhaus von Luochuan scheitert die adäquate Versorgung der Kranken schon daran, dass mit den alten Geräten kaum eine exakte Diagnose gestellt werden kann. Der diensthabende Arzt zeigt auf ein uraltes Röntgengerät, das schon seit vielen Jahren keine scharfen und klaren Bilder mehr macht: „Wie soll ich damit jemandem helfen?“
Die chinesische Regierung hat die medizinische Versorgung der ländlichen Bevölkerung längst zum Top-Thema erklärt. Um eine maßgebliche Verbesserung zu erreichen, müssen das medizinische Personal besser ausgebildet sowie Krankenhäuser und Gesundheitszentren auf den neuesten technischen Stand gebracht werden. In Zusammenarbeit mit den Landesbehörden hat Siemens deshalb ein innovatives Modell zur Gesundheitsversorgung für die ländlichen Gebiete im Bezirk Luochuan, im Norden der Provinz Shaanxi gelegen, entwickelt. Mit den „Siemens Rural Centers of Medical Excellence” kommen Menschen auf dem Lande in den Genuss einer hochwertigen medizinischen Versorgung. Die Gesundheitszentren der Gemeinden im Bezirk werden zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, das mit dem jeweiligen Bezirkskrankenhaus verbunden wird. Dieses Netz wird von Siemens mit modernsten Diagnostikgeräten ausgestattet: mit Ultraschallgeräten und beinahe allem, was es auf dem Gebiet der Röntgendiagnostik gibt, wie Computertomographen, Mammographen oder Fluoroskopen. Außerdem führt Siemens umfangreiche Schulungen des kompletten medizinischen Personals, der Ärzte und des Pflegepersonals ebenso wie der Techniker durch.
Auf dem Weg zu „Medical Exellence“: Ein Computertomogrpah für das Luochuan County People's Hospital.
Dabei arbeiten die Ärzte der verschiedenen Krankenhäuser auch ganz konkret zusammen. Die Bezirkskrankenhäuser sind sogar via Tele-Radiologie mit dem sehr viel größeren Krankenhaus in Xi'an, der acht Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt der Provinz, verbunden. Das Tele-Radiologie-System macht es möglich, die Röntgenbilder per Leitung zu verschicken, so dass dann Ärzte beider Krankenhäuser sie auf ihren Bildschirmen sehen und gemeinsam für die Diagnosestellung analysieren können. Dank dieser Technologie konnte auch schon Menschen nach dem jüngsten Erdbeben in China geholfen werden. Um eine mögliche Ausbreitung von Krankeiten über das Abwasser der Krankenhäuser zu verhindern, kümmert sich Siemens um die nötige Abwasserentsorgung. Mit all diesen Neuerungen wird auf Gemeindeebene nun ein medizinischer Standard erreicht, von dem man dort bislang nicht einmal zu träumen wagte.
Der erste von mehreren geplanten Pilot-Standorten eines „Rural Centers“ im Bezirk Luochuan ist bereits in Betrieb. Mit einer Investitionssumme von zehn Millionen Dollar baut Siemens unter der Leitung des chinesischen Gesundheitsministeriums ein Netz auf, das auf den Bedarf in entlegenen Regionen zugeschnitten ist. Parallel dazu laufen Forschungen, um den speziellen Bedarf in diesen Regionen genauer untersuchen und entsprechend verbessern zu können.
High-tech in Aktion – modernste Siemens-Technik hat hoffnungslos veraltete Geräte abgelöst.
Cais Vater wurde vor ein paar Tagen mit einem der modernen Ultraschallgeräte untersucht. Seit langem schon leidet er an Schmerzen im Oberbauch. Der Arzt erkennt einen Schatten auf dem Ultraschallbild. Weil das Gerät ein exaktes Bild liefert, kann der Arzt eine sichere Diagnose stellen und Cais Vater richtig behandeln.
Dieses Projekt, eines von drei Finalistenprojekten des Mitarbeiterwettbewerbs für Corporate Responsibility 2008 ausgewählt, trägt dazu bei, vier der acht Milleniumsziele zu erfüllen, mit denen die Vereinten Nationen bis zum Jahr 2015 die Lage in Entwicklungsländern verbessern wollen. Es hilft mit, die Kindersterblichkeitsrate zu senken, die medizinische Versorgung von werdenden Müttern zu verbessern und gegen Infektionskrankheiten wie Tuberkolose vorzugehen. Und dieses Projekt arbeitet umweltverträglich: Siemens hat für das Bezirkskrankenhaus eine Lösung entwickelt, die es vermeidet, dass das Abwasser in die Umwelt gelangt. Dadurch wird die Qualität des Trinkwassers in der Umgebung deutlich verbessert.