Der Bedarf an sauberem Trinkwasser steigt parallel zum Wachstum der Weltbevölkerung. Leistungsfähige Wasseraufbereitungssysteme werden vor allem dort benötigt, wo die Menschen keinen oder nur begrenzten Zugang zu sauberem Wasser haben. Siemens hat eine innovative und effektive Lösung entwickelt, die für jede Gemeinschaft zugänglich und bezahlbar ist. Indem wir ein robustes Membranfiltersystem, den so genannten SkyHydranten, in einer Gemeinde installieren, verschaffen wir den dort ansässigen Menschen eine nutzbringende und nachhaltige Möglichkeit der Trinkwasseraufbereitung.
Monica Owinjis steht mit ihrem 20-Liter-Kanister vor einem Backsteinhäuschen an, um die tägliche Ration sauberes Trinkwasser für ihre 8-köpfige Familie zu holen. Wie auch die übrigen Bewohner der entlegenen kenianischen Dörfer Obambo und Kadenge profitiert sie von der einzigartigen Filtrationsanlage, die vor Kurzem in ihrem Dorf am Gona-Stausee installiert wurde: Anstatt wie bisher eine gelblich-braune Brühe direkt aus dem Stausee zu holen und durch den Verzehr an Magenschmerzen und Durchfall, im schlimmeren Fall sogar an Cholera und Typhus zu erkranken, kann sie das Essen für sich und ihre Kinder jetzt mit sauberem Wasser zubereiten.
Täglich holen die Frauen aus Obambo und Kadenge sauberes Trinkwasser vom „Safe Water Kiosk“.
Das ist keine Selbstverständlichkeit: Viele Menschen in weiten Teilen der Welt haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht von 1,2 Milliarden Menschen aus, die durch die Nutzung von verschmutztem Wasser von Krankheiten bedroht sind. Jährlich sterben etwa zwei Millionen Menschen – überwiegend Kinder und alte Menschen – an Krankheiten, die durch verunreinigtes Wasser verursacht wurden. Daher haben die Vereinten Nationen als ein Millenium Ziel definiert, die Anzahl der Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben, bis zum Jahr 2015 zu halbieren.
Um dieses Ziel zu erreichen, sind große technische und logistische Herausforderungen zu meistern: Die eingesetzte Technik muss robust, zuverlässig und preisgünstig sein, darüber hinaus gut bedienbar und leicht zu warten. Für die Installation der Systeme müssen geeignete Standorte gefunden werden. Die neue Wasserversorgung muss in die Verantwortung der Kommune übergeben werden. Und nicht zuletzt ist die Finanzierung des Projekts zu sichern.
Das Geschäftsgebiet Siemens Water Technologies verfügt über die entsprechenden Technologien für die Wasseraufbereitung. Das Unternehmen ist weltweit Technologieführer bei Membransystemen wie dem SkyHydranten: Rund 20.000 Fasern mit der Dicke eines menschlichen Haars befinden sich in jedem SkyHydrant-Modul. Im Gegensatz zu herkömmlichen Filtern wird die zu filternde Flüssigkeit nicht mit Hochdruck in die feinen Membranen gepresst, sondern fließt bei sehr niedrigem Druck durch den Filter, um Krankheitserreger und Verunreinigungen zu entfernen. Er kann täglich über 10.000 Liter Trinkwasser produzieren und ist problemlos zu transportieren, zu installieren und zu betreiben. Die Vorteile dieses einzigartigen Systems überzeugen: geringer Energieverbrauch, niedrige Kosten, der Verzicht auf Chemikalien im Reinigungsprozess und natürlich das absolut saubere Trinkwasser – eine Win-Win-Situation für Menschen und Umwelt.
In jedem Modul filtern 20.000 Fasern Verunreinigungen aus dem durchgepumpten Wasser.
Dass diese Systeme auch Gemeinden in entlegenen und unterentwickelten Regionen preiswert zur Verfügung gestellt werden können, ist für Rhett Butler, Vertriebsleiter bei Siemens Water Technologies in Australien, eine Herzensangelegenheit: Er trieb die Entwicklung der SkyHydranten, voran. Mit dem Ziel, dessen Einsatz in Entwicklungsländern und Notstandsgebieten zu fördern, gründete Rhett Butler die gemeinnützige Organisation SkyJuice Foundation. Sie konnte im Jahr 2004 fast 220 SkyHydranten nach Sri Lanka, Thailand und Indonesien vermitteln, wo der Tsunami mit den Küstenregionen auch die Trinkwasserversorgung verwüstet hatte. Insgesamt wurden bislang etwa 350 solcher Systeme in 16 Ländern installiert, und die Liste wird immer länger. In den vergangenen drei Monaten wurden Systeme in den Slums von Jakarta, den von Erdbeben verwüsteten Regionen Mexikos und Perus, den Flutgebieten in Bangladesch (siehe Kasten) und Dili, Osttimor installiert.
Von dieser Technologie profitieren auch die Menschen in den kenianischen Dörfern Obambo und Kadenge. Hier wurde im Rahmen eines Pilotprojekts ein Filtrationssystem, bestehend aus vier SkyHydrant-Einheiten, einer Pumpe, die von einer kleinen Windmühle angetrieben wird, einem Wasserkasten, einem Speichertank für sauberes Wasser und einer Zapfstelle, aufgebaut. Es erhielt die Bezeichnung „Safe Water Kiosk“. Pro Stunde produziert der Kiosk 2.200 Liter Trinkwasser und versorgt damit rund 2.500 Menschen. Der Safe Water Kiosk in Obambo-Kadenge ist als Betreibermodell organisiert: Ein Komitee aus Dorfbewohnern betreibt den Kiosk und verkauft das Wasser zu einem niedrigen Preis. Das finanziert den Betrieb des Systems. Dieses Verfahren kann als ein Modell für die Implementierung der Systeme vor Ort dienen, denn erfahrungsgemäß ist ein den jeweiligen Gegebenheiten angepasstes und gemeinsam mit den Partnern und örtlichen Gemeinschaften erarbeitetes und realisiertes Betreibermodell eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg.
Der Siemens Vorstandsvorsitzende Peter Löscher überreichte den CR Award 2007 an das Team von Siemens Water Technologies aus Australien.
Mit dem Safe Water Kiosk wurde ein zuverlässiges und kostengünstiges Modell zur Trinkwasseraufbereitung für unterentwickelte Regionen geschaffen und erfolgreich eingeführt. Diese Leistung würdigte der Siemens Vorstandsvorsitzende Peter Löscher mit der persönlichen Übergabe des Siemens Corporate Responsibility Awards 2007 an das Team um Rhett Butler. Er betonte damit den Stellenwert, den gesellschaftliche Verantwortung im gesamten Unternehmen genießt. Die Aufnahme im des Projekts in den Siemens Geschäftsbericht 2007 sowie Ausstellung eines SkyHydranten auf der Hauptversammlung im Januar 2008 unterstreichen diese Position.
Nach dem verheerenden Zyklon „Sidr“, der im November 2007 große Teile von Bangladesch verwüstete, waren hunderttausende Menschen auf Hilfe von Außen angewiesen. Um den Ausbruch von Krankheiten und Seuchen zu verhindern, spendete Siemens 20 mobile SkyHydrant Wasserfilter, die zusammen täglich bis zu 200.000 Liter Trinkwasser erzeugen können. Die Anzahl der Menschen, die an verschmutztem Wasser erkrankten, sank nach Angaben der örtlichen UN-Vertretung darauf hin in den Einsatzgebieten auf fast Null.
Die Kosten für die Skyhydrant Filter brachten die Siemens AG, Siemens Bangladesch und alle 250 Mitarbeiter auf, die auf zwei volle Tagesgehälter verzichteten. Für weitere Hilfsmaßnahmen wie die Bereitstellung von Nahrung und Medikamenten hat Siemens Caring Hands 30.000 Euro an das Deutsche Rote Kreuz gespendet.
"Mehr. Wert. Schaffen. - Engagement hat viele Gesichter": Das Taschenbuch aus der Reihe "brand eins Wissen" beleuchtet das gesellschaftliche Engagement von Siemens und stellt die Finalistenprojekte zum Corporate Responsibility Award 2007 vor.