Im Rahmen unseres Umweltmanagements bewerten wir, welche Umweltaspekte für Siemens bedeutend sind. Diese werden Gegenstand eines systematischen Managementprozesses, wie dem Setzen von Zielen, um Ressourcen effizienter zu nutzen, Emissionen zu reduzieren oder Umweltdeklarationen für Produkte zu erstellen.
Gründe zur Definition eines bedeutenden Umweltaspekts können gesetzliche Anforderungen, Ressourcenverbräuche, Auswirkungen auf die Umwelt durch Emissionen, aber auch Anforderungen von wichtigen Interessensgruppen sein (z.B. Kunden oder Investoren). Die Ermittlung wird regelmäßig auf ihre Aktualität überprüft.
Der Verbrauch von Wasser und Energie, die Abfallerzeugung, die Emission von Treibhausgasen, flüchtigen Kohlenwasserstoffen und die Ozonschicht abbauenden Substanzen sind wesentliche Umweltaspekte, die wir überwachen und über die wir berichten.
Für unsere Produkte und Lösungen führen wir Betrachtungen des gesamten Lebenszyklusses durch und richten die umweltgerechte Gestaltung unserer Produkte und Anlagen an den wichtigsten Einflussfaktoren aus (z.B. den Energieverbrauch in der Nutzungsphase).
Die Notfallvorsorge, die Gefahrenabwehr und das Katastrophenmanagement deckt die Betriebliche Katastrophenschutzorganisation (BKO) ab.
Spätestens seit der Oskarverleihung für den Film „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore und der Veröffentlichung des IPPC Berichts in 2007 ist das Thema Energieeffizienz aus der öffentlichen Diskussion nicht mehr weg zu denken. Siemens hat diesen Aspekt schon seit jeher in das Alltagsgeschäft integriert. Bei der Entwicklung unserer Produkte und Anlagen folgen wir einer Siemens-internen Norm zur umweltgerechten Produkt- und Anlagengestaltung, die das Thema Energieeffizienz ganzheitlich betrachtet. Für unsere Kunden bedeutet dies, dass wir ihnen neben Standardkomponenten ein breites Spektrum besonders energieeffizienter Lösungen anbieten können. Diese decken die gesamte Energiekette von der Erzeugung von Strom und Wärme, der Energieverteilung bis hin zu effizienten Produkten und Lösungen bei der Stromnutzung (Antriebe, Beleuchtung, Industrieanlagen, Züge) ab.
Die Effizienzverbesserung der Energienutzung ist für uns aufgrund der damit zusammenhängenden Ressourcenverbräuche und der dadurch entstehenden Emissionen – allen voran der von CO2 – von großer Wichtigkeit. Siemens gehört zwar nicht zu den energieintensiven Industriezweigen, da der Klimaschutz jedoch eine große Bedeutung hat, wollen wir unsere Energieeffizienz verbessern und den Ausstoß an Treibhausgasen reduzieren. Da wir den Klimaschutz ernst nehmen, folgen wir in unserer Treibhausgasberichterstattung den Grundsätzen der WRI/WBCSD (World Resources Institute/World Business Council for Sustainable Development, March 2004). Die genaue Methode ist in einem Siemens-Leitfaden spezifiziert.
2008 haben wir das zweite Mal in Folge erfolgreich unseren Treibhausgasbericht von Det Norske Veritas (DNV) verifizieren lassen.
Über die Klimaschutzthematik hinausgehend, sind noch andere industrielle Emissionen in die Luft umweltrelevant: Flüchtige organische Verbindungen – „Volatile Organic Compounds“ oder VOCs – spielen als Vorläufersubstanzen von bodennahem Ozon eine wichtige Rolle. Sie sind eine der Ursachen für den sogenannten „Sommersmog“. Siemens setzt solche organischen Verbindungen in Form von Lösemitteln in Lacken und Klebern sowie bei Imprägnierverfahren und in der Oberflächenreinigung ein. An einigen Standorten mit Lösemittelemissionen laufen derzeit technische Verbesserungen der Produktionsanlagen zur Minimierung der Verluste in die Luft. An anderen Stellen werden Prozesse auf Wasserlacke umgestellt.
Die Verwendung von die Ozonschicht abbauenden Substanzen (in diesem Fall ist die Ozonschicht in der Stratosphäre gemeint) ist im internationalen Vertrag zum Schutz der Ozonschicht (Protokoll von Montreal) und in länderspezifischen Gesetzesinitiativen auf der ganzen Welt stark eingeschränkt worden. Konsequenterweise wurde die Verwendung dieser Stoffe auch bei Siemens stark reduziert und beschränkt sich heute auf wenige Kältemittel, die noch nicht durch umweltfreundlichere Stoffe ersetzt werden konnten. Durch die Erfassung dieses Parameters sollen auch die letzten verbleibenden Emissionen kontrolliert werden.
Seit 2006 werden die Emissionen quantitativ durch Lösemittel- bzw. Kältemittelbilanzen für die relevanten Verfahren in SESIS erfasst.
Auch wenn 71 Prozent der Erdoberfläche mit Wasser bedeckt sind, haben vielen Menschen keinen Zugang zu ausreichenden Mengen an sauberen Trinkwasser und es herrscht in vielen Teilen der Welt Wasserknappheit. Der größte Teil des Wassers befindet sich als Salzwasser in den Meeren oder ist in den Polen, in Gletschern oder Dauerfrostböden gebunden. Nur 0,27 Prozent der Gesamtwassermenge, also 3,6 Mio. km3 stehen als Trinkwasser zur Verfügung.
Siemens hat mit dem Kauf von US Filter – dem heutigen Geschäftsgebiet Water Technologies – die strategische Entscheidung für ein Engagement auf dem Wassermarkt getroffen. Dadurch können wir individuelle Lösungen zur kommunalen und industriellen Abwasserreinigung anbieten.
Aufgrund des Produktportfolios war bei Siemens einige Jahre lang der Wasserverbrauch in der Produktion nicht besonders hoch, da mit dem Börsengang von Infineon der größte Wassernutzer aus dem Siemens Konzern ausgegliedert wurde. Die Situation hat sich jedoch mit der Eingliederung von Water Technologies geändert. Diese Division vertreibt nicht nur Wasseraufbereitungstechnologie, sondern sie tritt auch als Dienstleister auf und regeneriert beispielsweise Ionenaustauscherharze von Kunden. Dabei wird Rohwasser verbraucht und es fallen größere Mengen an Produktionsabwasser an. Seit 2007 sind diese Daten in unserem Nachhaltigkeitsbericht enthalten.
Um die natürlichen Ressourcen zu schonen, hat Siemens es sich zum Ziel gesetzt, Abfälle zu vermeiden. Soweit dies technisch nicht möglich oder aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll ist, sind Abfälle stofflich oder energetisch zu verwerten. Wenn auch die Verwertung nicht möglich ist, müssen Abfälle umweltverträglich beseitigt werden. Außerdem wollen wir die Gefährlichkeit von Abfällen verringern.
In den letzten Jahren sind unsere absoluten Abfallmengen gestiegen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass wir gewachsen sind und immer mehr Standorte in die Umweltberichtserstattung aufgenommen haben. Vergleicht man die mit dem Werksumsatz normierten Abfallvolumen der Standorte, die mindestens zwei Jahre hintereinander zu Siemens gehört haben, wird deutlich, dass die Umweltleistung jedoch konstant geblieben ist. Unser Ziel ist es, diese in den nächsten Jahren zu verbessern.
Bauschuttmengen betrachten wir separat, da sie abhängig von Bautätigungen sind und nichts mit der Umweltleistung im Abfallbereich zu tun haben. Die Volumen werden in unserem Nachhaltigkeitsbericht separat ausgewiesen.
Der umweltbewusste Umgang mit Ressourcen und damit auch die Vermeidung von Abfällen sind aber nicht nur Themen für Produktionsstandorte und Niederlassungen. Schon in der Produktentwicklung müssen diese Erfordernisse beachtet werden. Produkte sind so zu gestalten, dass sowohl bei ihrer Herstellung als auch bei ihrem Gebrauch so wenige Abfälle wie möglich anfallen. Die firmeninterne Siemens Norm “SN 36350 – Umweltverträgliche Produkte und Anlagen“ trägt dem Rechnung: Zum Beispiel sollen neben Materialeinsatz, Materialvielfalt und Produktgewicht Produktionsabfälle durch geeignete Produkt- und Anlagengestaltung verringert werden oder aber beim Zukauf von Komponenten auf Ressourcenschonung geachtet werden.
Siemens hat Produktverantwortung auf freiwilliger Basis bereits lange vor Inkrafttreten der Richtlinie "Waste Electrical and Electronic Equipment" (WEEE-Richtlinie) der Europäischen Union übernommen. Seit der Umsetzung der WEEE-Richtlinie in nationales Recht sind Hersteller in den EU-Mitgliedsstaaten für die Rücknahme und umweltgerechte Verwertung elektrischer und elektronischer Geräte verantwortlich. Von den gesetzlichen Anforderungen zur Produktrücknahme sind sowohl ein Teil der Siemens-Produkte – etwa von Siemens Medical Solutions – betroffen, als auch die Produkte von Tochtergesellschaften, beispielsweise Lampen von Osram.
Siemens erfüllt selbstverständlich die Anforderungen der WEEE-Richtlinie. Wir beteiligen uns in den meisten EU-Mitgliedsstaaten an gemeinschaftlichen Rücknahmesystemen, die in Abstimmung mit Branchenverbänden aufgebaut wurden, oder haben individuelle Verträge mit Recyclingunternehmen geschlossen. Vertragsbedingungen regeln die bei der Verwertung einzuhaltenden Standards, so dass mit der Produktrücknahme und -verwertung Stoffkreisläufe geschlossen und wertvolle Ressourcen geschont werden. Vorteilhaft bei unseren Produkten und Lösungen ist, dass wir bereits bei deren Entwicklung auf eine umweltgerechte und schadstoffarme Konstruktion achten, die ein späteres Recycling erleichtert.
Unsere langjährigen Erfahrungen mit eigenen Initiativen zur Rücknahme, Aufarbeitung und Wiedervermarktung gebrauchter Geräte und Anlagen zeigen, dass zumindest in einigen Produktbereichen die Aufarbeitung und Wiedervermarktung ein erfolgreiches Geschäftsmodell sein kann und zudem über die Verlängerung der Nutzungsdauer von Produkten zum Umweltschutz beiträgt.
Unsere Business Unit Refurbished Systems im Healthcare Sector nimmt beispielsweise medizinische Geräte zurück, arbeitet sie auf, testet sie “auf Herz und Nieren“ und stellt sie – versehen mit dem Siegel "Proven Excellence" – wieder dem Markt zur Verfügung.
Die Wiederverwertung von Komponenten spielt auch bei der Herstellung von Neugeräten eine Rolle. Röntgenstrahler von Computertomographen werden nach dem Ende ihrer zwei- bis dreijährigen Lebensdauer in unser Röhrenwerk in Erlangen zurückgeliefert, wo verschleißarme Bauteile ausgebaut, aufgearbeitet und nach eingehender Qualitätsprüfung zur Herstellung neuer Strahler verwendet werden. Manche Teile können so – je nach Beanspruchung – zweimal oder öfter wiederverwendet werden. Je länger die Markteinführung eines Computertomographen zurückliegt, desto mehr wiederverwendete Teile kann ein neuer Röntgenstrahler enthalten – nach sechs Jahren immerhin bis zu 40 Prozent.