Energieeffizienz ist die halbe Miete – für das Schaltanlagenwerk Frankfurt gilt dies beinahe im wörtlichen Sinne. Durch die Realisierung eines ausgeklügelten Maßnahmenpakets erzielten die Spezialisten für Pulverbeschichtungen, Nasslackierungen, Gleitschleifen und Entfettungsarbeiten in allen Produktionsschritten enorme Energie- und Kosteneinsparungen. Und das mit geringem Investitionsaufwand. Der Leiter der Oberflächentechnik und Umweltschutzbeauftragte Walter Kühn lüftet das Erfolgsgeheimnis.
Im Frankfurter Siemens Werk werden gasisolierte Mittelspannungs-Schaltanlagen gebaut, die in der ganzen Welt zur sicheren Energieversorgung beitragen – sei es bei Energieversorgungsunternehmen, in der Industrie, in Windparks, Gebäuden, Flughäfen oder sogar auf Bohrinseln. Treten in den Verteilnetzen Fehler auf, sorgen diese Anlagen dafür, dass die Netze in Millisekunden ausgeschaltet werden. Ihre Funktion ähnelt damit der von Sicherungen in einem Wohnhaus. Über die Schaltanlagen können auch ganze Straßenzüge in Städten vom Stromnetz getrennt und zugeschaltet werden. Diese Funktion ist mit der eines Lichtschalters vergleichbar. Die Schaltanlagen sind wartungsfrei und dank der Oberflächenbeschichtung mit Polyesterpulver vor Korrosion und UV-Stahlen geschützt.
Gasisolierte Mittelspannungs-Schaltanlagen funktionieren wie Lichtschalter: Über sie können große Energieströme ein- und ausgeschaltet werden.
Im Frühjahr 2008 ist es beschlossene Sache: Das Schaltanlagenwerk Frankfurt ruft das breit angelegte Projekt „Energieeffizienz in der Oberflächentechnik“ ins Leben. Eine verantwortungsvolle Aufgabe für die involvierten Mitarbeiter – allen voran Walter Kühn, der dafür bekannt ist, sich auch im übertragenen Sinne nicht nur mit Oberflächen zu befassen, sondern tiefer zu schürfen. Vor allem, wenn es um Prozessoptimierung und ökologische Verantwortung geht. „Aufgrund des ausgerufenen Umweltprogramms und meiner Doppelfunktion als Leiter der Oberflächentechnik und als Umweltschutzbeauftragter war es quasi meine Berufung, die Prozesse im einzelnen zu analysieren, gezielt nach relevanten Energieeffizienz-Maßnahmen zu forschen und die Ergebnisse konsequent in die Realität umzusetzen“, betont der zukunftsorientierte Projekt-Verantwortliche. Gesagt, getan. Bereits wenige Wochen später wird fleißig an konkreten Lösungen für die verschiedenen Produktionsschritte getüftelt. Und die ersten messbaren Ergebnisse lassen nicht lange auf sich warten.
Die Vorbehandlungsbäder für die Pulverbeschichtung werden über Wärmetauscher von einer zentralen Gaskesselanlage aus erhitzt. Das reduziert den Energieverbrauch.
Gut ein Jahr nach Projektstart sind alle geplanten Maßnahmen 1:1 realisiert. So wurde beispielsweise die Temperatur der Vorbehandlungsbäder für die Pulverbeschichtung in enger Zusammenarbeit mit den Chemikalien-Lieferanten um 20 Grad Celsius reduziert und damit der Gasverbrauch für die Beheizung deutlich gesenkt. Gleiches gilt für das Reinigerbad der Aluminiumgussteile, das auf eine andere Chemikalie umgestellt werden konnte, die mit nur 30 anstatt 70 Grad Badtemperatur auskommt. Und dank des kompletten Umbaus der Pulverbeschichtungs- Absauganlage auf Umluftbetrieb mit Filtern lässt sich die Abluft jetzt in einem Kreislauf in die Halle zurückleiten. Damit entfallen die Kosten für das Erwärmen der kalten Zuluft in den Wintermonaten. Ergänzt wird das intelligente Maßnahmenpaket durch eine Heizenergie sparende Steuerung der Überdach-Absaugung am Spritzlackierstand und eine neue Zentrifuge für Gleitschleifabwasser, die ebenfalls auf einen intelligenten Kreislaufbetrieb umgestellt wurde – und damit 95 Prozent Wasser und 90 Prozent Chemikalien einspart. „Bei dieser enormen Steigerung der Energieeffizienz kann man durchaus von Oberflächentechnik mit Tiefenwirkung sprechen“, kommentiert Walter Kühn sein erfolgreiches Projekt mit einem Augenzwinkern.
In der Umkehrosmoseanlage wird durch Maßnahmen zur Wasseraufbereitung für die Spülbäder Wasser eingespart.
Gas sparend, chemiereduziert und abwasserfrei – gerade in ökologischer Hinsicht setzt das erfolgreiche Energieeffizienz-Projekt der Frankfurter Oberflächenspezialisten neue Maßstäbe. Im Rahmen der Neubeschaffung einer voll isolierten Vorbehandlungsanlage werden jetzt ein statischer Ölabscheider, eine Schlammzentrifuge sowie eine Umkehrosmoseanlage eingesetzt. Durch die Temperaturabsenkung, Abluftregelung und Zentrifugenumstellung in der Abteilung konnten im ersten Quartal 2009 gegenüber dem Vorjahr 30,7 Prozent und 972.352 KWh/a Gas eingespart werden. Hinzu kommt ein Minus von 256.000 Litern Stadtwasser und Abwasser sowie von 2.460 Litern an Behandlungsmitteln pro Jahr. „Diese Werte tragen mit dazu bei, unsere Vorgaben aus dem aktuellen Umweltprogramm für den Standort zu erreichen“, erklärt Walter Kühn.
Bei der Anschaffung der neuen Vorbehandlungsanlage wurde besonderer Wert auf umweltrelevante Aspekte wie statischer Ölabscheider, Schlammzentrifuge und Umkehrosmose gelegt.
Mehr Energieeffizienz bedeutet am Ende mehr bares Geld. Allein durch die Erdgasreduzierung werden im Schaltanlagenwerk Frankfurt jährlich 31.224 Euro eingespart – bei 0,0 Prozent Realisierungskosten. Die Einsparungen durch den Wegfall des Abwassers und Chemikalieneinsatzes belaufen sich auf jährlich 29.582 Euro gegenüber 20.886 Euro Investitionskosten. Damit liegt die Amortisationszeit bei weniger als einem Jahr.
Eine Verringerung der Badtemperatur der Aluminiumguß-Reinigungsanlage um 40 Grad spart Energie.
Walter Kühn ist glücklich mit dem Projektergebnis: „Dank des engen und intensiven Kontakts mit Anlagenbauern, Einzelkomponenten-Zulieferern und Chemikalienherstellern hat auch unser Unternehmensimage enorm profitiert.“ Es wird wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis die erfolgreichen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz bei weiteren Interessenten angewandt werden – und somit auch bei Lieferanten und deren Kunden eine Verbesserung der Umweltleistung eintreten wird. Kühn: „Die Zeit ist reif für ein ökologisches und wirtschaftliches Umdenken.“