Das 1916 gegründete SiemensForum ist das älteste Firmenmuseum Deutschlands. Seine Anfänge liegen wie die des Unternehmens in Berlin: Hier konzipierte das bereits seit 1906 bestehende Siemens-Archiv eine „Gedächtnisausstellung“ anlässlich des 100. Geburtstag des Firmengründers Werner von Siemens im oberen Geschoss des Berliner Verwaltungsgebäudes in Siemensstadt.
Man präsentierte unternehmens- und familiengeschichtliche „Schätze“ des Hauses.
Neben den historischen Maschinen, Apparaten und Instrumenten wurde eine besondere Abteilung dem Andenken der Familie Siemens gewidmet. Zum 75-jährigen Firmenjubiläum 1922 verlegte man die Ausstellung in den sogenannten Ehrenhof.
Das Publikum bestand vor allem aus Geschäftsfreunden, Kunden und Mitarbeitern.
1937/38 erweiterte und renovierte man die Präsentation, um ihre Attraktivität für eine breitere Öffentlichkeit zu erhöhen.
Mit der Aufteilung des Firmensitzes auf Berlin und München nach dem 2. Weltkrieg fanden das Siemens-Museum und das Siemens-Archiv einen neuen Standort: Am 31. Mai 1954 konnten die Räumlichkeiten in der Prannerstraße 10, im Zentrum Münchens, ihrer Bestimmung übergeben werden. Im vergrößerten Ausstellungsbereich zeigte man in chronologischer Folge das Lebenswerk Werner von Siemens´ durch Bilder, Dokumente, Originalgeräte und Modelle.
Die Entwicklung der Elektrotechnik bis zur Gegenwart wurde durch ausgewählte Produkte der Firmen Siemens & Halske und der Siemens-Schuckertwerke vervollständigt.
Die Ausstellung wurde hauptsächlich für den Vertrieb und in der internen Kommunikation genutzt. Die Konzeption orientierte sich an den Fachleuten, für die auch spezielle Schausammlungen, „Studienräume“ genannt, erstellt wurden. „Führungsvorträge“ boten neben Demonstrationen zur Funktionsweise der Modelle, zusätzliche Erläuterungen durch den Führer, aber auch schon „Multimediales“ wie Filmvorführungen.
Wieder bildete ein Jubiläum des Firmengründers, und zwar der 150. Geburtstag 1966, sowie gleichzeitig das 100-jährige Jubiläum des Dynamoelektrischen Prinzips, den Anlass zur Weiterentwicklung und Vergrößerung der Ausstellung: Man setzte neue inhaltliche Schwerpunkte durch die Aufgliederung in die Abteilungen Nachrichtentechnik, Starkstromtechnik und Medizintechnik. Die inhaltliche Öffnung unter der allgemeinen Zielsetzung „Förderung des Verständnisses für die Elektrotechnik“ kam mit der Umbenennung in „Werner-von-Siemens-Institut für Geschichte des Hauses Siemens“ zum Ausdruck.
1971 wurde schließlich eine wichtige Etappe in Richtung Besucherorientierung erreicht, als man durch Umbaumaßnahmen erstmals einen chronologischen Rundgang durch die Ausstellung ermöglichte. Durch die größere Ausstellungsfläche konnte nun auch ein Überblick über elektrotechnische Systeme der Zeit von 1900 – 1941 gegeben werden. Danach gab es eine chronologische Lücke, da der moderne Teil der Ausstellung unmittelbar an die Historie anschloss. Diese „Moderne“ war entsprechend den damals aktuellen Fachgebieten des Unternehmens geordnet. Die Besucherzahl betrug zu dieser Zeit ca. 6000 Personen jährlich.
Um 1980 kündigte sich ein Wandel bzgl. der Zielgruppen an, der bis heute nachwirkt: Man orientierte sich nun weniger an den Fachleuten, sondern versuchte, den interessierten Laien anzusprechen. Deshalb wurde nun auf die bis dahin üblichen, detaillierten technischen Beschreibungen verzichtet, die Erläuterungen vereinfacht und zur besseren Orientierung zusammenfassende Überschriften verfasst. Im Sinne eines Leitsystems sollten sie dem Laien-Besucher eine Hilfestellung zur zeitlichen und sachlichen Einordnung der Exponate geben. Mit dieser neuen Museumskonzeption, die der Didaktik größeren Raum einräumte und ein Massenpublikum in Aussicht nahm, verließ man das Konzept des „Instituts“ mit seiner eher wissenschaftlichen Ausrichtung, was auch in der Wiedereinführung der Bezeichnung „Siemens-Museum“ zum Ausdruck kam. Die Dauerausstellungsfläche wurde nun auf 2.000 qm erweitert, indem man in einem angrenzenden Gebäude Flächen anmietete.
Ebenfalls 1981 wurde durch einen Erweiterungsbau Raum für Sonderausstellungen und das Akten- und Bildarchiv geschaffen. Die Sonderausstellungen mit ca. 250 qm ermöglichten es, den Besuchern auch Randgebiete der Elektrotechnik vorzustellen, so z. B. befasste sich die erste Ausstellung mit „Versteinertem Leben im Röntgenlicht“. Dieses zusätzliche Angebot zielte auf ein breites – und nicht nur an Technik interessiertes – Publikum. Die Sonderausstellungen wechselten zunächst nur jährlich. Im weiteren Verlauf verdoppelte man die Frequenz und konzipierte sie als Wanderausstellung, so dass auch Publikum außerhalb der Reichweite des eigentlichen Siemens-Museums angesprochen werden konnte.
Den nächsten großen Schritt bildete die Neukonzeption 1987, die durch eine erlebnisorientierte Gestaltung vor allem Jugendliche ansprechen sollte, um die vorhandene oder nur vermutete Technikfeindlichkeit der Jugend abzubauen. Zu diesem Zweck wurde der moderne Teil nach dem Konzept „Technik begreifen – erleben – verstehen“ bzgl. Inhalt und Design total überarbeitet. Die historische Abteilung erfuhr eine entsprechende Anpassung, wobei man die bisher verbauten Fenster an der Fassade öffnete, um den Passanten schon von außen einen Einblick in die Schauräume zu ermöglichen. Der Nutzen für den Anwender und nicht die technische Funktion standen fortan im Mittelpunkt des Interesses. „Technik zum Anfassen“ bildete den Leitgedanken. Die Exponate wurden vor allem nach dem Kriterium der Interaktivität ausgewählt, d. h. die Besucher sollten sie möglichst selbst – auch ohne Führer – benutzen können, um durch eigene Erfahrung und spielerisch einen Zugang zur modernen Technik zu erhalten. Im Bereich der Schaufenster gab es vor allem für Jugendliche eine „Spielwiese“ mit PC-Anwendungen. Und als attraktives, multimediales Highlight bildete eine 30minütige Show den Übergang zwischen Historie und Moderne. Hier konnten auch die nun vermehrt durchgeführten Veranstaltungen Platz finden.
Dies war insofern von Bedeutung, da sich das Siemens-Museum nun ausdrücklich als „Stätte der Begegnung“ definierte. Als „Visitenkarte“ des Unternehmens sollte es den Besuchern, den oft als komplexen, undurchsichtigen Koloss empfundenen Global player transparent werden lassen, sein Wirken – und zwar nicht nur auf technischer Ebene – verständlich machen. Den unterschiedlichen Interessen und Erwartungen der Besucher kam man mit einer entsprechend zielgruppenorientierten, breiten Angebotspalette über die Führungen hinaus entgegen: So realisierte man neben mehrsprachigen Infrarot-Führungen für Einzelbesucher vor allem einen Sammelkatalog zur Historie. Die Führungen wurden konsequent an den Besucherinteressen ausgerichtet: Neben der allgemeinen Überblicksführung bot man moderne Kommunikation, Energie- und Medizintechnik sowie Mikroelektronik als Schwerpunktthemen an. Zusätzlich wurden Berufsdiskussionen veranstaltet. Das Siemens-Museum als „außerschulischer Lernort“, der den Praxisverlust der Schule kompensieren hilft, bildete von nun an eine weitere Leitidee. Durch die Entwicklung methodisch-didaktischer Handreichungen für Lehrer und Schüler konnten einzelne Sonderausstellung für den Unterricht noch intensiver genutzt werden. In Zusammenarbeit mit der Münchner Volkshochschule wurden Computerworkshops für Familien abgehalten, ebenso spezielle Ferienprogramme für Jugendliche mit Computer-Kursen, Video-Workshops, Quizspiel u.a.m. Auch mit zahlreichen Tagungen und Abendveranstaltungen konnten neue Besucherschichten angesprochen werden.
Dies alles führte 1991 zu einem Höhepunkt der Besucherzahlen: ca. 95.000 Gäste besuchten in diesem Jahr das Siemens-Museum, 1971 waren es noch 6.000 gewesen.
Das Siemens-Museum bestand nun aus drei Bereichen: dem Unternehmensarchiv, den Ausstellungen und den Veranstaltungen. Vor diesem Hintergrund entschloss man sich 1993, die auch als rückwärtsgewandt empfundene Bezeichnung Siemens-Museum durch die modernere des SiemensForums zu ersetzen. Damit kam auch deutlicher zum Ausdruck, was man vorher „Stätte der Begegnung“ genannt hatte. Gleichzeitig wurde auch eine striktere Ausrichtung bei den Veranstaltungen auf die Gesellschaftspolitik vollzogen. Während die Ausstellungen mehr ein breiteres, technisch interessiertes Publikum ansprachen, wandte man sich mit den Veranstaltungen vor allem an ein gesellschaftspolitisch interessiertes Fachpublikum, Multiplikatoren und Entscheider. Daneben gab es auch zahlreiche Kulturveranstaltungen wie Musikabende u.ä. Die Studienräume wurden nun aufgelöst und die Sonderausstellungsfläche damit verdoppelt bzw. Konferenzräume eingerichtet.
Im Zuge eines offeneren Umgangs mit der Vergangenheit entschloss man sich, die chronologische Darstellung der Unternehmensentwicklung nicht 1941 enden zu lassen, sondern bis in die Gegenwart fortzuführen. Damit wurden nun die Themen Zwangsarbeit, Krieg und Zerstörung sowie der Wiederaufbau in der Dauerausstellung angesprochen.
Mit der Einrichtung eines Internet-Cafes wurde eine neue Attraktion, nicht nur für Jugendliche, geschaffen.
Zum 150-jährigen Firmenjubiläum reifte schließlich die Idee, am Geburtsort des SiemensForum in Berlin ebenfalls ein SiemensForum mit Dauer- und Sonderausstellung sowie einem Veranstaltungsprogramm zu installieren. Dies konnte noch 1997 verwirklicht werden. Da es bereits ähnliche Institutionen in Wien, Erlangen, Zürich und Mailand gab, bezeichneten sie sich nun auch als SiemensForum und schlossen sich zum Forenverbund zusammen. Damit können nun neue Ideen ausgetauscht und Projekte gemeinsam realisiert werden.
Eine neue Herausforderung bot sich dem SiemensForum in München 1999 mit dem Umzug von der Prannerstraße in das moderne Verwaltungsgebäude des Stararchitekten Richard Meier am Oskar-von-Miller-Ring 20. Das SiemenForum umfasst hier nicht nur die markante Rotunde, sondern auch einige Ebenen im Flügelbau entlang des Oskar-von-Miller-Rings. Getreu dem neuen Motto „Zukunft beginnt im Dialog“ bzw. „Miteinander reden“ bildet das Herzstück das großzügige Auditorium mit mehr als dem dreifachen Platzangebot gegenüber dem alten Standort.
Die Multimedia-Show im Basement ermöglicht dem Besucher einen ersten Überblick und Einstimmung. Und im 7. Flur der Rotunde kann sich der Besucher nun im Bistro/Restaurant Da Pino kulinarisch verwöhnen lassen und das Gesehene Revue passieren lassen.
Bei der Neugestaltung der Dauerausstellung wurde 1999 eine Konzentration auf die wesentlichen Aspekte durchgeführt. Thematisch standen der Firmenphilosophie entsprechend Gegenwart und Zukunft im Vordergrund, während Historie und Familiengeschichte eher die Hintergrundfolie bildeten.
2001 nahm man eine Erweiterung der Dauerausstellung vor, indem unter dem Titel „Design – the face of innovation“ eine eigene Abteilung dem Thema Produktgestaltung in den Bereichen home, work und mobility gewidmet wurde.
Neue Anforderungen und eine Rückbesinnung auf die Wurzeln des Unternehmens waren 2004 der Anlass, die Dauerausstellung komplett zu überarbeiten.
Am 9. Oktober 2004 wurde die Unternehmensausstellung „Milestones“ eröffnet:
Vor dem Hintergrund von Unternehmensgründung, Mitarbeitern und Unternehmensentwicklung präsentiert die Ausstellung nun die Meilensteine des Unternehmens, die innovativen Highlights: Im Erdgeschoss wird anhand von fünf Innovationslandschaften, die sich auf die einzelnen Arbeitsgebiete Kommunikation, Energie, Industrie, Verkehr und Medizin beziehen, schon auf den ersten Blick die Vielseitigkeit von Siemens als Universalist der Elektrotechnik deutlich.
Faszinierende Sonderexponate, wie z.B. ein Modell des ersten Kabellegungsschiffes oder ein Gleichstromgenerator von 1878, ergänzen die Meilensteine auf den Tischen.
Hinter den Sonderexponaten breitet sich das beeindruckende Siemens-Panorama über beide Ebenen der Ausstellung aus.
Im Obergeschoss werden Gegenwart und Zukunft thematisiert: Die „Pictures of the Future“ greifen das Konzept der Innovationslandschaften auf und wandeln es den heutigen Entwicklungen angepasst um: Wieder stehen die fünf Arbeitsbereiche im Mittelpunkt, nun aber nicht mehr von einander unabhängig parallel, sondern „vernetzt“ um die Querschnittstechnologie Information und Kommunikation.
Auf einer Leuchtwand werden wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen wie Bevölkerungswachstum, demografischen Entwicklungen, Ressourcenschonung und Informationsüberflutung dargestellt. Tritt der Besucher den „Pictures of the Future Crystals“ näher, erhält er Informationen, wie sich Siemens den Herausforderungen von morgen stellt und schon heute konkrete Lösungsvorschläge bietet.
Von der Galerie ergeben sich zusätzlich neue Ausblicke auf das Siemens-Panorama und die Sonderexponate im Erdgeschoss: So verbinden sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.