Die Baugeschichte des SiemensForums am Oskar-von-Miller-Ring in München reicht in das Jahr 1983 zurück: Damals ging das New Yorker Architektenbüro Richard Meier mit seinem Bebauungsvorschlag als Sieger aus einem Wettbewerb städtebaulicher Gutachten hervor. Der Entwurf von Richard Meier überzeugte, weil er sich bei aller Eigenständigkeit, Transparenz und technischer Brillanz maßstäblich in die bestehende Bebauung einfügte und das vorhandene Grundstück optimal ausnutzte. So erstreckt sich das Gebäude vom Oskar-von-Miller-Ring über zwei Innenhöfe herum bis zur Jägerstraße und schließt dort direkt an die Firmenzentrale am Wittelsbacherplatz an.
Das Projekt wurde jedoch zurückgestellt, so dass erst 1991 die konkreten Planungsarbeiten starteten. Baubeginn war im Februar 1997; die ersten Büros konnten bereits im Juni 1999 bezogen werden. Am 29.9.1999 fand schließlich die Eröffnung des neuen SiemensForums statt. Damit wurde nicht nur eine der letzten kriegsbedingten Lücken im Stadtzentrum geschlossen, sondern auch die Münchener Kulturmeile um einen weiteren Anziehungspunkt bereichert.
Das Gebäude will zweierlei sein: eine behutsame und respektvolle Einfügung in die bestehende Bebauung und gleichzeitig ein eigenständiger, selbstbewusster Bau des zwanzigsten Jahrhunderts. Der Neubau nimmt die für die Max Vorstadt typische Form der rechtwinkligen Blockrandbebauung auf und ordnet sich damit in das übergeordnete städtebauliche Konzept angemessen ein. Dies war bei der Konzeption ein gewichtiges Kriterium.
Das zweite Hauptanliegen war es, Grundstück und Gebäude zu einer Brücke werden zu lassen. Seine Lage soll dazu beitragen, den inneren City-Bereich mit der Max Vorstadt zu verbinden, einen Dreh- und Angelpunkt der Blickrichtungen in Ost-West-Richtung zur „Museumsmeile“ und in Nord-Süd-Richtung nach Schwabing und zur Akademie der Künste herzustellen. Den städtebaulichen Schwerpunkt bildet dabei die Stelle des Zusammentreffens des diagonalen Gebäuderiegels am Oskar-von-Miller-Ring mit den westlichen, orthogonal im Blocksystem eingebundenen Gebäudeteilen. Dieser Punkt wird durch das Gelenk der Rotunde markiert und dient als städtebaulicher Blickfang an der Biegung des Altstadtrings. Hier befinden sich der Hauptzugang, das Foyer, das Auditorium, Teile der Dauerausstellung und die Cafeteria.
Das Gebäude ist so organisiert, dass es beiden Funktionen - Bürogebäude und SiemensForum - gerecht wird: Es verfügt über eine Bruttogeschossfläche (Gesamtfläche über alle Geschosse) von 43.000 Quadratmetern auf neun Stockwerken, sechs davon oberirdisch. Der Neubau umfasst einen Bürotrakt mit rund 600 Arbeitsplätzen. In dem für die Öffentlichkeit zugänglichen Teil sind das SiemensForum mit Ausstellungs- und Veranstaltungsräumen und eine Cafeteria untergebracht.
Die äußere Gestaltung wird wesentlich von der diaphanen Struktur der Metall-Glas-Vorhangfassade bestimmt, die vielfältige Ein- und Ausblicke ermöglicht. Weiße einbrennlackierte Aluminium-Paneele im Wechsel mit raumhoher Verglasung verleihen dem Bau einen hellen, klaren und transparenten Ausdruck. Die Fassadenflächen gliedern sich in zwei Ebenen: Die Erdgeschosszone, das oberste Geschoss und die Gebäudeecken sind gegenüber den viergeschossig zusammengezogenen Glasflächen zurückgesetzt. Erker, Balkone, Schlitze und Schildwände lassen die verschiedenen Funktionen nach außen sichtbar werden und erzeugen gleichzeitig im Inneren unterschiedliche Raum-, Licht- und Ausblicksqualitäten.
Der markante Gebäudeteil der sechsgeschossigen Rotunde wird von einer fünfgeschossigen Schildwand umfangen. Durch dieses „Schaufenster“ wird das Hinter- und Übereinander in einer Art Schichtung von Zylinder und Schild nach außen gebracht und gleichzeitig die Bewegung der Besucher auf der spiralförmigen Rampe sichtbar.
Die Stahlbeton-Skelettbau- Konstruktion verfügt über tragende Stützen im Raster von 7,20 x 7,20 m / 4,80 m. Alle Innenwände sind nichttragend. Den Fassaden liegt ein Ordnungsraster von 1,20 m zugrunde. Im Kontrast zu den strahlend-weißen Wänden werden grau-weißer Granitfußboden oder graphitgrauer Teppichboden verwendet. Sämtliche Metallteile bestehen aus gebürstetem Edelstahl.